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James Kroeger MM

Missionstheologe in den Philippinen

von GEORG EVERS

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Seit gut 40 Jahren ist James Kroeger, Mitglied der amerikanischen Missionsgesellschaft Maryknoll, vornehmlich in den Philippinen tätig, so dass man ihn, der am 4. Dezember 1945 in Wisconsin in den USA geboren wurde, kaum noch einen »ausländischen Missionar « nennen kann. Durch seine zahlreichen Publikationen auf den Gebieten der Priester- und Laienausbildung, der Missionstheologie, des interreligiösen Dialogs und der Inkulturation, die er in seinen vielfältigen Tätigkeitsbereichen in den letzten Jahrzehnten erarbeitete, hat er viele Anstöße für die Weiterentwicklung einer asiatischen Theologie gegeben und sich einen Platz in der Reihe »asiatischer Theologen « verdient.

James Kroeger MM
FOTO: JAMES KROEGER

Nach ersten Studien in Philosophie und Psychologie im St. Paul Seminar in Minnesota schloss sich James Kroeger der Maryknoll Missionsgesellschaft in den USA an und wurde 1970 in die Philippinen geschickt. Hier erhielt er seine philosophische und theologische Ausbildung und wurde 1975 zum Priester geweiht. Seine akademische Ausbildung schloss er in Rom an der Gregorianischen Universität ab, wo er 1985 das Lizentiat und den Doktorgrad in Missionswissenschaft erwarb. Das Thema seiner Dissertation »Die philippinische Kirche und Evangelisierung« (The Philippine Church and Evangelization) umschreibt gut das zentrale Thema und die Lebensaufgabe, die sich James Kroeger gestellt hat. Nach Abschluss seiner Studien war er dann zunächst 10 Jahre als Direktor des Maryknoll »Instituts für Sprache und Kultur« in Davao City in Mindanao tätig. In dieser Zeit hat er die in Mindanao gebräuchliche Sprache Cebuano und das in den Philippinen als Umgangssprache benutzte Tagalog gelernt, wodurch er befähigt wurde, die Mentalität der Menschen in den Philippinen besser zu verstehen und zugleich die theologische Aufgabe der Inkulturation besser anpacken zu können. Dazu hatte er eine erste Gelegenheit, da er zusätzlich zu seinen anderen Aufgaben auch als Professor im regionalen Priesterseminar in Davao tätig war. Außer in den Philippinen hat James Kroeger auch einige Zeit in Bangladesch als Gastprofessor in der Priesterund Laienausbildung gearbeitet. Seit 2008 ist James Kroeger Professor für Dogmatik, Missionswissenschaft und Islamstudien an der Loyola School of Theology an der Ateneo de Manila Universität, zugleich auch Professor am East Asian Pastoral Institut und dem Mother of Life Katechetischen Zentrum.

Die zahlreichen Buchpublikationen, die er selber geschrieben oder deren Veröffentlichung er verantwortet hat und die noch zahlreicheren Zeitschriftenbeiträge, die aus seiner Feder stammen, behandeln alle die zentralen Themen der Mission, des interreligiösen Dialogs und der Inkulturation. Bei der Suche nach Publikationen aus der Feder von James Kroeger, die ich im Zuge der Erstellung dieser Kurzbiographie in der Missio-Bibliothek in Aachen durchführte, ergab die Auflistung seiner Buch- und Zeitschriftenbeiträge allein 21 Seiten. Es ist offensichtlich, dass eine wissenschaftlich verantwortete Würdigung dieser Publikationsleistung hier nicht gegeben werden kann. Im Folgenden soll daher nur versucht werden, die Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeiten von James Kroeger herauszuarbeiten, um einen Zugang zu seiner Person und seiner Vision von Kirche, Evangelisierung, Inkulturation und interreligiösem Dialog für die asiatischen Kirchen zu eröffnen.

Für James Kroeger ist das Zweite Vatikanische Konzil mit seinen programmatischen Anstößen auf den Gebieten der Mission, der Theologie der Religionen, des Laienapostolats und der Kirche in der Welt der bestimmende Kompass für sein pastorales, katechetisches und theologisches Wirken geworden. Passend zum 50. Jahrestag des Beginns des Konzils hat er 2011 das Buch »Erkunden der Schätze des Zweiten Vatikanischen Konzils« (Exploring the Treasures of Vatican II, Quezon City 2011) veröffentlicht, in dem er die wichtigsten Anregungen des Konzils für die Kirche in den Philippinen und die Ortskirchen Asiens herausarbeitet. In einem Beitrag in der indischen theologischen Zeitschrift Vidyajyoti: »Das Zweite Vatikanische Konzil: Gottes besonderes Geschenk« (Jg. 76, 2012, 63–74) präsentiert James Kroeger darüber hinaus ein Kompendium der Originaldokumente des Konzils, eine Auswahl an Kommentaren und anderes Material über das Zweite Vatikanische Konzil. Schon 2006 hat er ein anderes Buch (The Second Vatican Council and the Church in Asia) mit ausgewählten Texten und Reflexionen über die Bedeutung des Konzils für die Kirchen Asiens herausgebracht. Die theologischen Einsichten und Richtlinien des Konzils wachzuhalten und weiterzuentwickeln, ist für James Kroeger zu einer zentralen Aufgabe geworden. In der Beschreibung der Schwerpunkte seiner theologischen Arbeit, die er auf meine Anfrage hin verfasste, hat James Kroeger sich so ausgedrückt: »Mein Interesse am Zweiten Vatikanischen Konzil ist über die Jahre gewachsen. Ich sehe es als meine Mission an, das Bild von der Sendung der Kirche, wie sie das Konzil entwickelt hat, lebendig zu halten. Hier an der Loyola School of Theology ist ein Einführungskurs in die theologischen Einsichten des II. Vatikanischen Konzils verbindlich für alle neuen Studenten.« Den gleichen Kurs bietet James Kroeger auch am East Asian Pastoral Institute für die Studierenden an, die aus verschiedenen asiatischen Ländern in dieser Einrichtung auf demselben Campus an der Ateneo Universität der Jesuiten in Manila ihre Studien absolvieren. Um die Studenten mit den Ergebnissen des Konzils vertraut zu machen und ihnen einen zusätzlichen Zugang zu eröffnen, hat er neben der Behandlung der Dokumente des Konzils einen ungewöhnlichen anderen Weg über das Medium Film entwickelt, indem er einen Kurs »Vatikanum II durch das Medium des Films erkunden« (Exploring Vatican II through Film) anbietet, der von den Studenten sehr gut angenommen wird. Mit dem Einsatz des Films als Medium theologischer Einsichten liegt James Kroeger auf derselben Linie wie der Altmeister philippinischer Theologie, Catalino Arévalo S.J., der die Anfrage, eine Sammlung seiner theologischen Arbeiten für eine Buchpublikation des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio in Aachen zu erstellen, mit der Feststellung ablehnte, dass er lieber einen Film machen würde, da dieses Medium in den Philippinen wohl besser geeignet sei, theologische Einsichten wirkungsvoll zu vermitteln.

Da James Kroeger den Einsatz für die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils in das Leben der asiatischen Ortskirchen als zentrale Aufgabe seiner theologischen Arbeit sieht, ist es nur konsequent, dass er dies durch seine intensive Mitarbeit in den verschiedenen Gremien und Konferenzen der »Vereinigung Asiatischer Bischofskonferenzen« (FABC) am ehesten gelingen sieht. Die Bedeutung der FABC hat er knapp und prägnant so umschrieben: »Die einflussreichste Einrichtung in der asiatischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist ohne Zweifel die Vereinigung Asiatischer Bischofskonferenzen (FABC). Sie hat die Bande der Kommunikation unter den Bischöfen der Region verstärkt und zur Erneuerung der Kirche durch die Entwicklung einer von allen gemeinsam getragenen Vision von der Kirche und ihrer missionarischen Aufgabe in Asien beigetragen. Von daher kann mit Recht behaupten, dass die FABC tatsächlich ›Die Fortsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils in Asien‹ ist.« (J. Kroeger, An Asian Dialogue Decalogue, in: ZMR 95, 208–219, 208). Als ausgewiesener Missionstheologe ist er seit Jahren Mitglied im Office of Evangelization der FABC. In vielen Beiträgen hat er sich bemüht, die Ergebnisse der verschiedenen Konferenzen der FABC auf den Gebieten der Inkulturation und des interreligiösen Dialogs systematisch zu ordnen und vorzustellen. Ein wichtiges Arbeitsinstrument ist zum Beispiel der von ihm erstellte Index der »FABC-Papers«, durch den die vielen theologischen Beiträge dieser zentralen Veröffentlichung der FABC zugänglich gemacht werden. Seine Fähigkeit, die Vielfalt verschiedener theologischer Beiträge systematisch zu ordnen und vorzustellen, beweist seine Zusammenfassung der Ergebnisse der theologischen Arbeit innerhalb der FABC auf den Gebieten der Inkulturation und des interreligiösen Dialogs, die er in jeweils 10 Thesen oder Prinzipien zusammenfasste.

In der katholischen Kirche der Philippinen spielt die Marienverehrung eine große und bestimmende Rolle. Ein Anliegen des Theologen und Katecheten James Kroeger ist es, Marienverehrung mit den Aussagen und Richtlinien des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Enzyklika Marialis Cultus von Paul VI. in Einklang zu bringen. Für ihn ist die Novene zur Maria der immerwährenden Hilfe, die nach dem Konzil neu formuliert wurde, ein gelungenes Beispielt dafür, wie Formen der Volksfrömmigkeit in eine theologisch verantwortbare Form gebracht werden können, ohne ihre Popularität bei den einfachen Leuten zu verlieren. Dass dies gelungen ist, zeigt sich für ihn darin, dass wöchentlich Millionen Gläubige durch diese Novene zur Kirche und zur Eucharistie geführt werden. Grundsätzlich setzt er sich dafür ein, dass in der Verkündigung und im liturgischen Leben der Kirche traditionelle Elemente der Volksfrömmigkeit wie Gesang, Tanz, Theater und Geschichten fruchtbar gemacht werden. Die Bewohner der Philippinen sind berühmt dafür, dass sie gerne singen. Gesang ist daher ein besonders gutes Medium für die Weitergabe des Glaubens in der Katechese und in der Liturgie. Priester und Katechisten sollten sich daher der Gaben von begnadeten Sängern und Sängerinnen bedienen, um die Wahrheiten des Glaubens den Menschen effektiv und affektiv zu vermitteln.

Dass James Kroeger über ein gutes Organisationstalent verfügt, bewies er bei der Schaffung der »Vereinigung katholischer Missionswissenschaftler der Philippinen« (Philippine Association of Catholic Missiologists), die 2001 in Cebu gegründet wurde und zu deren ersten Präsidenten er gewählt wurde. Vorangegangen war ein nationaler Missionskongress aus Anlass der Feier des Jubiläumsjahres zum Jahrhundertwechsel 2000. Die neue Vereinigung setzte sich das Ziel, die Kirche in den Philippinen in ihrem Programm eine »Kirche in Mission « zu sein, zu unterstützen, indem sie missionswissenschaftliche Studien und Ausbildungsprogramme fördert und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Evangelisierung koordiniert. Bei der Entstehung der »International Association of Catholic Missiologists« (IACM), die im Jahr 2000 in Rom gegründet wurde, hat James Kroeger ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt. Durch Mitgliedschaft in einer Reihe weiterer internationaler Vereinigungen von Missionswissenschaftlern ist James Kroeger weltweit vernetzt und ein gefragter Gesprächspartner.

Ein Blick in den Menschen James Kroeger, der so viele theologische Bücher und Artikel über die Mission und Sendung des Christentums und der Kirche geschrieben hat, ermöglicht eine kleine Notiz am Ende eines längeren Beitrags, in dem er seine Einsichten über die Arbeit der FABC zusammenfasst (Walking the Path of Dialogue in Asia: Insights from the FABC, Studia Missionalia, 58, 2009, 45–77). Dort beschreibt er ein Erlebnis, das er während seiner Zeit als Gastprofessor in Bangladesch hatte, das ihn zutiefst berührt und bleibend geprägt hat. Bei einem Spaziergang auf einer belebten Straße in Dhaka sieht er eine Bettlerin, die vor einem herrschaftlichen Haus Passanten um eine milde Gabe bittet.

Ein großer Luxuswagen fährt vor, hupt mehrmals laut, damit das Außentor geöffnet wird. Das Tor geht auf und zwei große Hunde springen heraus, stürzen sich auf die Bettlerin und reißen sie zu Boden. Die gut gekleidete Dame, die das Auto lenkte, ruft zwar die Hunde zurück, fährt dann aber, ohne sich weiter um die Bettlerin zu kümmern, in die Einfahrt und das Tor wird geschlossen. Nur die anderen Bettler auf der Straße kümmern sich um die von den Hunden angefallene Frau. James Kroeger sieht die Szene aus kurzer Entfernung. Er ist betroffen und den Tränen nahe. Aber er muss feststellen, dass er zum einen die Landessprache Bengali nicht beherrscht, kein Geld bei sich führt und als Fremder in einem islamischen Land eine Frau anzufassen sich nicht traut und somit, wie er es ausdrückt, zum »schuldigen bloßen Beobachter« wird. Für ihn wird diese Erfahrung zu einem sein Leben bestimmendem Ereignis. Es wird ihm zu einer Richtlinie und Orientierung in seinem Glauben und seinem missionarischen Handeln, im Dienst an einem Gott, der radikal sich allen Menschen, ungeachtet ihrer religiösen und sozialen Zugehörigkeit, erbarmt und ihnen sein Heil anbietet. Gerne und wiederholt zitiert James Kroeger in diesem Zusammenhang die Worte, die Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in den Philippinen 1981 zum interreligiösen Dialog gesagt hat: »Christen werden Hand in Hand mit allen Männern und Frauen guten Willens zusammenarbeiten, um eine gerechtere und friedlichere Gesellschaft zu schaffen, in der die Armen die ersten sind, die bedient werden.«

GEORG EVERS
Missionswissenschaftler

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