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PAKISTAN

Ein Lynchmord sorgt für Entsetzen

Opfer soll wegen Gotteslästerung getötet worden sein

In Pakistan sorgt ein Fall von Lynchjustiz an einem aus Sri Lanka stammenden Fabrikmanager für Entsetzen. Eine Menschenmenge hatte den Geschäftsmann Priyantha Kumara in Sialkot in der Provinz Punjab wegen angeblicher Gotteslästerung zu Tode geprügelt und seine Leiche in Brand gesteckt. In der Fabrik habe sich das Gerücht verbreitet, der Manager habe ein religiöses Poster abgerissen und in den Mülleimer geworfen, sagte ein Polizeibeamter. Das Verbrechen ereignete sich etwa 200 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Islamabad. In der Region wird mehr als die Hälfte aller weltweit produzierten Fußbälle gefertigt. Der Getötete arbeitete für eine Sportartikelfirma. Führende pakistanische Politiker sprachen nach Bekanntwerden der Tat von einer »Schande« für das Land. Der Sonderbeauftragte der pakistanischen Regierung für religiöse Harmonie, Tahir Ashrafi, forderte alle religiösen Führer Pakistans zur Verurteilung von Lynchjustiz auf. Ausdrücklich richtete Ashrafi die Forderung auch an die islamistische Partei Tehreek-i-Labbaik Pakistan (TLP). Niemand habe das Recht, die Blasphemiegesetze in die eigene Hand zu nehmen. Gotteslästerung steht in Pakistan seit Einführung des umstrittenen Blasphemiegesetzes in den 1980er- Jahren unter Strafe. Besonders häufig werden im sunnitischen Pakistan Anhänger islamischer Minderheitsglaubensrichtungen wie Ahmadiyya und Schiiten sowie Mitglieder der christlichen Minderheit wegen Blasphemie angeklagt und zum Tode verurteilt. Bisher kam es jedoch noch nie zu einer Hinrichtung. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren sowohl auf den Straßen als auch in den Gefängnissen Dutzende der Blasphemie beschuldigte Menschen – meist Christ:innen – von aufgebrachten Muslim:innen getötet.

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In den vergangenen Jahren waren wegen Blasphemie angeklagte Christen überraschend freigesprochen worden, darunter die Katholikin Asia Bibi, die acht Jahre in der Todeszelle saß. Ihr Tochter Eisham Ashiq (Foto), traf im April 2015 in Rom Papst Benedikt.