NICARAGUA

Konflikt zwischen Kirche und Staat eskaliert

Ortega reagiert nicht auf Gesprächsangebot des Papstes

Die Festnahme von Bischof Rolando Alvarez in Matagalpa ist eine weitere Eskalation im Konflikt zwischen Staat und Kirche in Nicaragua. Dem 55-jährigen Bischof wird vorgeworfen, in Kontakt mit »gewalttätigen Gruppen« zu stehen, die »Hassverbrechen gegen die Bevölkerung ausführen wollen«, um damit »den Staat Nicaragua zu destabilisieren sowie Verfassungsorgane zu attackieren «, teilte die Polizei mit. Zuvor hatte Alvarez öffentlich gegen die Schließung mehrerer katholischer Radiostationen in seinem mittelamerikanischen Heimatland protestiert, deren Leiter er ist. Seit Jahren kritisieren zahlreiche Kirchenvertreter:innen die Menschenrechtsverletzungen der sandinistischen Regierung. Die wiederum reagiert mit drastischen Maßnahmen, lässt immer wieder Gotteshäuser umstellen, Geistliche und Gläubige einschüchtern. Papst Franziskus sagte, er verfolge die Lage in Nicaragua mit »Sorge und Schmerz«. Er hat Machthaber Daniel Ortega ein Gesprächsangebot unterbreitet, auf das dieser bisher nicht reagiert hat. Unterdessen wurde ein weiterer katholischer Radiokanal abgeschaltet. Die staatliche Repression gegen die Kirche in Nicaragua sorgt mittlerweile weltweit für Aufsehen. Die »New York Times« schrieb: »Nicaragua bringt die letzten Kritiker zum Schweigen: die Priester.« Seit Ende 2018 sind laut Medienberichten mehr als 1.500 Nichtregierungsorganisationen die rechtlichen Grundlagen für die Fortsetzung ihrer Arbeit entzogen worden, 3.500 Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Kirche, Menschenrechtler und unabhängige Medien kritisierten immer wieder in scharfer Form die Rechtsverstöße der Machthaber.

Ausgabe 6/2022

Bischof Rolando Alvarez