Die Schöpfung, unser gemeinsames Haus

Liebe Leserinnen!
Liebe Leser!

Vor gut einem Jahr, am 18. Juni 2015, erschien Papst Franziskus’ Enzyklika Laudato si’. Ausdrücklich wendet sich der Papst in diesem Schreiben an »jeden Menschen, der auf diesem Planeten wohnt«. Und in der Tat hat die Sorge für das gemeinsame Haus, über die der Papst schreibt, auch außerhalb der Kirche positive, ja begeisterte Reaktionen hervorgerufen.

Um die Wirkung dieses »lebenswichtigen« Schreibens – eines Schreibens, dem das Leben wichtig ist – zu bilanzieren, ist es noch zu früh. Allerdings lässt sich schon jetzt festhalten, dass Laudato si’ die Notwendigkeit, sorgsam mit den natürlichen Ressourcen umzugehen, sprich: die Schöpfung zu bewahren, neu und eindringlich bewusst gemacht hat. Initiativen und Bewegungen innerhalb wie außerhalb der Kirche fühlen sich vom Papst angeregt, ermutigt und bestätigt. Laudato si’ ist ein durch und durch franziskanischer Impuls. In seinem Namensgeber, dem heiligen Franziskus von Assisi, sieht der Papst »das Beispiel schlechthin für die Aufmerksamkeit gegenüber dem Schwachen und für eine froh und authentisch gelebte ganzheitliche Ökologie«. In der Figur des heiligen Franziskus klingt die spirituelle Seite der Ökologie an, die heute oft als praktische oder gar nur technische Aufgabe wahrgenommen wird. Die Beiträge dieses Heftes beleuchten beide Seiten. Ein Ordensbruder des Papstes, der indische Theologe Michael Amaladoss, zeichnet die Spiritualität der Schöpfung nach, die Franziskus in Laudato si’ entwickelt. Beiträge aus Bolivien und von den pazifischen Inseln zeigen die praktischen und politischen Herausforderungen der Umweltzerstörung und des Klimawandels.

Diese unterschiedlichen Perspektiven wollen das Anliegen von Laudato si’ vertiefen und den Blick weiten, damit die Anregungen der Enzyklika weiterwirken, damit ein Dialog entsteht »über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten«, damit wir neu über die Änderung unseres eigenen Lebensstils nachdenken. Die Enzyklika darf kein bloßes Papier sein, das geduldig ist. Sie muss ein Impuls sein, der ungeduldig macht.

Stefan Voges

Beiträge aus Heft 4/2016

Der Glaube hilft beim Wiederaufbau

Von Pedro Walpole

Die Kirche und der Klimawandel im asiatisch-pazifischen Raum I So friedlich, wie sein Name es vermuten lässt, ist der pazifische Ozean nicht. Alljährlich bringen ihn außergewöhnliche Wetterereignisse in die Schlagzeilen. Für die Menschen, die dort... weiterlesen »

Eine Spiritualität der Schöpfung

Von Michael Amaladoss

Wie Papst Franziskus sie sieht I Im Zentrum der Enzyklika Laudato si’ (LS) von Papst Franziskus steht das Anliegen, unsere Schwester Erde, unser gemeinsames Haus, davor zu bewahren, dass wir Menschen sie durch unseren unverantwortlichen Umgang völlig zerstören. Wir haben inzwischen ein Stadium erreicht, in dem die Erde in nicht allzu ferner Zukunft für uns  unbewohnbar werden könnte, wenn wir keine geeigneten Maßnahmen ergreifen, um sie zu retten. Papst Franziskus tritt für die Verteidigung der Erde ein und hat dabei eine Theologie und eine Spiritualität der Schöpfung entwickelt, die in vieler Hinsicht neu sind und an religiöse Traditionen Asiens erinnern.
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Der Mensch als Teil der Natur

Von Dietmar Müssig

Was die Kirche von den Menschen in den Anden Boliviens lernen kann I Pachamama, Mutter Erde, nennen die Völker in den Anden Boliviens ehrfürchtig und liebevoll ihren Lebensraum. Sie bringen damit die göttliche Dimension der Schöpfung zum Ausdruck. Im Westen scheint die Heiligkeit der Natur weithin in Vergessenheit geraten zu sein. Die christliche Theologie könnte diese Sicht von den indigenen Völkern der Anden neu lernen. In der Druckausgabe lesen    

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