Religionsfreiheit

Liebe Leserinnen!
Liebe Leser!

Dezember 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Aber es dauerte noch fast zwanzig Jahre, bis im Dezember 1966 die ersten völkerrechtlich verbindlichen Menschenrechtskonventionen folgten: der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. In diesem Heft beleuchtet Theodor Rathgeber die Vereinbarungen aus der Perspektive der Religions- und Weltanschauungsfreiheit.

Erst diese Verträge, die von den Staaten unterzeichnet und ratifiziert werden müssen, machen es Menschen – zumindest formal – möglich, ihre Menschenrechte auf dem Rechtsweg einzufordern. Dass diesem rechtlichen Einspruch enge Grenzen gesetzt sind, sei es durch die geringen Mittel, die den Armen und Entrechteten zur Verfügung stehen, sei es durch Gewalt und politische Willkür, machen die Berichte aus Thailand und Bolivien deutlich. Sie erinnern daran, dass es Aufgabe von Christinnen und Christen ist, sich für die Menschenrechte einzusetzen. Das Menschenrecht Religionsfreiheit ist ihnen dabei ein besonderes Anliegen angesichts der Situation bedrängter Christen in Syrien, Nigeria oder Vietnam. Wenn sich Christen ihren bedrängten Geschwistern im Glauben besonders verbunden wissen, dann steht gleichzeitig außer Frage, dass das Menschenrecht Religionsfreiheit für alle Menschen gilt, egal, welchen Glauben sie haben. Jenseits der weltlichen Instanzen haben Christen eine weitere Möglichkeit zu klagen. Sie können ihre Klage im Gebet vor Gott bringen, auch stellvertretend für andere Menschen, die verfolgt und bedrängt sind und ihrer Rechte beraubt werden. Das Gebet ist dabei nicht das letzte Mittel. Denn Gott ist nicht nur die letzte Instanz, sondern auch der erste Anwalt für die Rechte der Menschen.

Stefan Voges

Beiträge aus Heft 6/2016

Mit der Last der Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft

Von Georg Evers

Länderbericht Osttimor: Zur politischen und kirchlichen Situation in Osttimor I Die Zeiten, in denen internationale Medien über Osttimor berichteten, sind längst vorbei. Osttimor ist wieder das, was es die meiste Zeit war – der kleine östliche Teil... weiterlesen »

Religionsfreiheit als Menschenrecht

Von Theodor Rathgeber

Der internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte I Im Dezember 2016 werden zwei grundlegende, völkerrechtlich verbindliche Abkommen über Menschenrechte auf 50 Jahre Bestehen zurückblicken. Es handelt sich um den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (auch: Zivilpakt) und den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (auch: Sozialpakt). War die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) von 1948 eine politische Proklamation,1 stellten die beiden Pakte eine vertragliche Vereinbarung dar, der die Staaten durch den Akt der Ratifizierung freiwillig beitreten und sich damit zur Umsetzung verpflichten. In der Druckausgabe lesen    

Im Prinzip gesetzlich geschützt

Von Michael Kelly

Religionsfreiheit in Thailand I Um Touristen wirbt Thailand mit dem Slogan »Land des Lächelns «. Angesichts düsterer – wirtschaftlicher, politischer und kultureller – Aussichten ist heute jedoch vielen nicht zum Lächeln zumute. Und das in einem Land, das bis vor kurzem noch zu den am schnellsten wachsenden und stabilsten Ländern in Südostasien zählte. In der Druckausgabe lesen    

Im Einsatz für die Würde und die Freiheit der Menschen

Von Carlos Derpic Salazar

Die Kirche und die Verteidigung der Menschenrechte in Bolivien I In Bolivien gibt es nicht nur eine grundsätzliche und theoretische Verbindung zwischen dem Katholizismus und der Verteidigung der Menschenrechte, sondern auch – indem man die Praxis von Bartolomé de Las Casas wieder aufgegriffen hat – ein klares und entschiedenes Handeln der Kirche. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über das, was in der Zeit von 1964 bis 2015 geschehen ist. Damit kommen zwei Etappen in den Blick: die Diktaturen der Nationalen Sicherheit (1964–1982) und die Demokratie (1982–2015). In der Druckausgabe lesen    

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