Getauft und gesandt

Botschafter Christi sein

Die biblischen Grundlagen der Laienämter

von Thomas Manjaly

Der Außerordentliche Monat der Weltmission 2019 steht unter dem Motto »Getauft und gesandt: die Kirche Christi missionarisch in der Welt«. Das Päpstliche Missionswerk missio in Deutschland greift dieses Motto in seiner Kampagne auf und ergänzt es um einen Satz des zweiten Korintherbriefs »Wir sind Botschafter Christi«. Der Bezug zu diesem biblischen Text und zu den Praktiken der frühen Kirche kann uns helfen, die Rolle und Relevanz des Laienstandes für heute wiederzuentdecken.

Autor

Thomas Manjaly
Prof. em. am Oriens Theological College Shillong in Nordostindien

Biblische Grundlagen der Laienämter

Seit der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils hat sich das Verhältnis zur Spiritualität und Rolle der Laien innerhalb der Kirche in eine positivere und konstruktivere Richtung gewandelt. Die Laien werden nicht länger als bloße gelegentliche Aushilfskräfte gesehen, sondern als »Mitarbeiter« in der Evangelisierungsmission der Kirche (Lumen gentium 10–13). Auch Frauen spielen eine bedeutende Rolle in gewissen Bereichen der Kirche und der Gesellschaft.

 

Die Taufe, ein Sakrament der Berufung

Es ist wichtig zu wissen, dass der Ursprung der Missionsarbeit der Laien in Korinth, Philippi, Kolossä, Rom etc. in der Taufe liegt und nicht in der Priesterweihe. Bei Paulus heißt es: »Diejenigen von euch, die auf Christus getauft wurden, haben Christus als Gewand angelegt. Es gibt nicht länger die Unterscheidung zwischen Juden und Griechen, Sklaven und freien Menschen, Männern und Frauen, da ihr alle eins in Christus seid« (Gal 3,27–28). Die Taufe ist das zentrale Sakrament für die christliche Gemeinschaft. Sie galt schon bei den ersten Christen nicht nur als Sakrament der Aufnahme, sondern als ein Sakrament der Berufung, welches allen – auch den Frauen – ermöglichte, missionarische Rollen innerhalb der Gemeinschaft anzunehmen.

Bei Petrus, dessen Schriften etwa 30 Jahre nach den Schriften des Paulus entstehen, wird gelehrt, dass alle Christen priesterlich sind, dass sie »eine erwählte Rasse sind, ihnen ein königliches Priestertum innewohnt, sie eine heilige Nation und Gottes Volk sind« (1 Petrus 2,9). Durch die Taufe Anteil an dem Priestertum Christi zu haben impliziert, dass die Getauften ein Teil der Mission Jesu sind und dass die Taufe als Sakrament der Berufung somit das Fundament für die Priesterschaft bildet. Auch die Taufe Jesu war ein Ereignis der Berufung (Mk 1,9–11). Der Heilige Geist befähigt Männer und Frauen »nach ihren jeweiligen Talenten und Fähigkeiten « dazu, »die Gemeinschaft darauf vorzubereiten, den Leib Christi aufzubauen« (1 Kor 12,28).

 

Leib Christi

Mit der Metapher der Kirche als Leib Christi betont Paulus die Einbindung aller Mitglieder in die Mission der Kirche. Die Kirche stellt, wie ein Körper, einen lebendigen Organismus dar, und alle Mitglieder haben sowohl das Recht als auch die Pflicht, einen Beitrag zum Wohlergehen undWachstum des Körpers zu leisten (1 Kor 12,7–30). Dieser Körper schließt die gesamte Menschheit mit ein, also auch die Juden und die Heiden (vgl. insbesondere Gal 3,28). Christus bildet den Kopf zu diesem Körper (vgl. unter anderem Eph 5,22).

Verbunden mit der Leib-Christi-Metapher ist die paulinische Charismenlehre. Paulus stellt diese in seinen Texten umfangreich dar (und unterstreicht die Notwendigkeit und Wirksamkeit des Heiligen Geistes für den Aufbau der Kirche als Leib Christi).

 

Kirche als Haus Gottes

Eine weitere biblische Metapher und ein frühchristliches Gemeindemodell ist die Kirche als Familie Gottes (vgl. Gal 6,10; Eph 2,19): Gott ist das Familienoberhaupt und der Vater (vgl. Gal 4,6), während die häufige Verwendung der Begriffe Brüder und Schwestern die enge Beziehung der Christen innerhalb der Gemeinschaft aufzeigt. Paulus vergleicht sich selbst mit einer Mutter und einem Vater und stellt so eine Art von Familienbeziehung zwischen den Pfarrern und der Gemeinschaft her.

Die ersten Christen versammelten sich in privaten Häusern. Der Haushalt war die Ortskirche (einschließlich der Sklaven und Verwandten) oder aber eine größere Versammlung von Christen in einer Kleinstadt. Diese Art der Versammlung schuf eine Atmosphäre der familiären Verbundenheit und brachte lokale Laienführer und insbesondere weibliche Führungspersonen hervor. Die Hauskirche hieß reisende Missionare willkommen, bot ihnen Gastfreundschaft an und versorgte sie mit allem, was sie für ihre weitere Reise benötigten. Auch die Frauen übernahmen eine Reihe von Aufgaben – sie gaben Unterricht, nahmen heimatlose Missionare auf und engagierten sich im Sozialdienst für die Armen.

 

Botschafter Christi sein

Paulus schreibt an die Christen in Korinth: »In Christus versöhnte Gott die Welt mit sich selbst (…) und er vertraute uns die Botschaft der Versöhnung an. Wir sind also Botschafter Christi, da Gott durch uns seine Botschaft sendet« (1 Kor 5,19–20). Dies ist die ehrenvolle Aufgabe, zu der alle Getauften berufen werden, um ein neues Zeitalter der Versöhnung und des Friedens für alle Menschen einzuläuten.

 

Laienpriester in der frühen Kirche

Hauskirchenführer

Lokale Führungspersonen, insbesondere auch weibliche, gingen aus den Hauskirchen hervor. Das Oberhaupt des Haushaltes war üblicherweise eine bekannte Person aus der jeweiligen Stadt, der man vertraute, die über die finanziellen Mittel verfügte und die beachtlichen Einfluss in der Gesellschaft hatte. Stephanas, Fortunatus und Achaichus, Gaius, Phoebe, Aquila und Priscilla, Philemon und Apphia und Nympha sind als bekannte Beispiele zu nennen. Paulus erkannte ihren Beitrag zur Gründung und Aufrechterhaltung der Gemeinschaften an und forderte im Gegenzug ihre Anerkennung durch die Gemeinschaften selbst.

Mitarbeiter des Paulus

Es gab unter der großen Anzahl an Mitarbeitern des Paulus viele Laien, worunter sich auch Frauen befanden; die Apostelgeschichte und Briefe des Paulus nennen hier etwa hundert Namen. Laien, Männer wie Frauen, engagierten sich als Hauskirchenführer, Förderer der Priester, aktive Verbreiter der Frohen Botschaft sowie als offizielle Stellvertreter der Gemeinschaften. Paulus betrachtete und respektierte sie alle als seine Mitarbeiter. Das berühmte Paar Prisca (auch Priscilla genannt) und Aquila sowie auch Andronicus und Junia waren Teil seines Missionsteams. Weitere herausragende Laienführungspersonen waren Phoebe, Epaphroditus, der als Mitarbeiter und Kriegskamerad beschrieben wird, Epaphras, der das Lycus-Tal evangelisierte und ein Mitgefangener von Paulus war, sowie die anderen Mitarbeiter des Paulus, darunter Philemon, Archippus, Aristarchus.

Starke Frauen

Es ist insbesondere wichtig, auf die weiblichen Amtsträger in der frühen Kirche hinzuweisen. Scheinbar hatte Jesus auch einige Frauen unter seinen Jüngern (vgl. unter anderem Mt 27,55–56; Mk 15,4–41). Natürlich fallen Elisabeth und seine eigene Mutter in eine andere Kategorie. Anna wird eine Prophetin genannt (Lk 2,36–38). Maria Magdalena spielte eine bedeutende Rolle im Dienste Jesu (Mk 16,9–11). Außerdem sind hier noch Johanna, die Frau des Chuza, sowie Susanna, Martha und ihre Schwester Maria zu nennen.

Weiterhin ist Tabitha zu erwähnen, die für ihre soziale Arbeit bekannt war (vgl. Apg 9,36– 42), sowie Maria, Mutter des Johannes Markus, die eine Hauskirche leitete (vgl. Apg 12,12–17). Zu den Mitarbeiterinnen von Paulus gehören Nympha, Lydia, die Paulus ihre großzügige Gastfreundschaft anbot, Euodia und Synteche, die für Paulus in ihren Heimatgebieten aktiv die Frohe Botschaft verbreiteten, eine Schwester namens Apphia als missionarische Kollegin, Eunice, die Mutter des Timotheus und großzügige Unterstützerin der reisenden Missionare, und viele mehr.

Es lohnt sich, zwei prominente Mitarbeiterinnen des Paulus näher zu betrachten: Phoebe und Prisca (Priscilla). Phoebe wird im Römerbrief (Röm 16,1–2) als Schwester (gr. adelphe) angesprochen. Damit wird gesagt, dass sie, wie Timotheus, eine aktive Mitchristin ist. Sie erhält den offiziellen Titel »Diakon« (gr. diakonos), den Paulus auch für sich selbst und Apollos verwendet. Wenn er sich auf ihre Arbeit in der Kirche von Kenchreä bezieht, betont er ihren Dienst im Auftrag Gottes und ihre Führungsrolle in dieser Kirche. Außerdem nennt Paulus sie Patronin (gr. prostatis); das bedeutet »Wohltäterin« und deutet an, dass sie in ihrer Gemeinde vermutlich finanzielle Unterstützung leistete, liturgische Feiern abhielt und die Wahrung christlicher Interessen vor weltlichen Autoritäten verteidigte.

Prisca war Paulus’ großzügige Gastgeberin während seiner längeren Aufenthalte in Korinth und Ephesus. Sie verbreitete stets die Frohe Botschaft, auch wenn sie dafür ihr eigenes Leben riskieren musste. Mit dem Zusatz »in Jesus Christus« wollte Paulus ihre Rolle in der Verkündung der Frohen Botschaft und im Aufbau christlicher Gemeinschaften betonen und herausstellen. Hingegen gibt es in der Apostelgeschichte die Tendenz, ihre Bedeutung herunterzuspielen und ihr lediglich die Rolle einer Gastgeberin zuzubilligen, um den Fokus mehr auf die Apostel Petrus und Paulus zu lenken. Paulus selbst bezeichnet sie als synergos, was der Lieblingstitel des Paulus für seine Mitarbeiter war. Andere, die diesen Titel ebenfalls verliehen bekamen, waren Euodia und Synteche. Paulus ernannte Prisca vor ihrem Ehemann, woraus man schließen kann, dass sie für ihre Hauskirchen eine größere Rolle spielte als er. Man kann sie durchaus als erste weibliche Theologin ansehen, welche die gelehrten Alexandriner und jüdischen Christen Apollos unterrichtete.

Paulus wusste um die Macht und Effektivität der Frauen. Er nahm sie daher mit in sein Team auf. Die Einstellung des Paulus gegenüber Frauen und seine »Frauentheologie« gründen sich auf den Bibelvers Gal 3,28 und diese Quelle stellt klar die Gleichheit der Frau heraus. Er erkannte ihre Führungsrolle in den Gemeinschaften an. Was in der Gesellschaft als Hindernis gesehen wurde (zum Beispiel die Unterscheidung männlich/ weiblich) machte sich Paulus für die Verteilung komplementärer Rollen im Aufbau christlicher Gemeinschaften zunutze. Indem Paulus die offiziellen Funktionen der Männer sowie der Frauen betonte, verstärkte er die Gleichheit der Frauen innerhalb der Kirche. Paulus setzte seine neue Vision für die Menschheit in Christus um, in welcher es keine religiöse, soziale und geschlechtsabhängige Diskriminierung mehr gibt (Gal 3,6–28). Er teilte die Vision Jesu, der die Rolle und Bedeutung der Frau in der Gemeinschaft radikal neu definierte. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass er einen Durchbruch in einer männerdominierten patriarchalischen Gesellschaft erreichen konnte.

 

Laieninitiativen zum Aufbau von Gemeinschaften

Jesus teilte sein geistliches Amt mit seinen Aposteln und Anhängern, worunter sich auch Frauen befanden. Diese Menschen hatten verschiedene Lebenshintergründe, und sie nahmen unterschiedliche Rollen bei der Evangelisierung ein. Trotz aller Schwierigkeiten gelang es den Gläubigen, die Frohe Botschaft zu verbreiten. Sie kamen mit Menschen in verschiedenen Lebenssituationen in Kontakt. Christliche Gemeinschaften, welche aufgrund von Verfolgung geografisch verstreut waren, erreichten Antiochien und starteten eine erfolgreiche Mission, die sich dann an anderen Orten wie zum Beispiel in Rom verbreitete. Tatsächlich verliehen einzelne Krisen der Evangelisierung insgesamt einen größeren Anstoß. Jeder Christ fühlte sich dafür verantwortlich, seine »Freude über die Frohe Botschaft« zu verbreiten. Dies auch heute umzusetzen, bleibt eine Herausforderung der Evangelisierung.

Die oben aufgeführten biblischen Überlegungen zeigen, wie wichtig die »Gemeinde der Gläubigen« ist und dass es unbedingt notwendig ist, die Laien so zu stärken, dass sie der »Sauerteig«, das »Salz« und das »Licht« werden können. Es kann nicht darum gehen, eine Gemeinde durch den Klerus »aufrechtzuhalten« und zu »führen«, sondern darum, auf die herrschende Kultur durch das Evangelium Einfluss zu nehmen. Dies ist die Mission einer engagierten »Gemeinschaft der Gläubigen«. Nur eine solche Gemeinschaft, in welcher der Glaube lebendig ist, die sich voller Elan in den Dienst Gottes stellt, die schnell auf Bedarfe reagiert und die vor Ideen sprüht, wie der Glaube erfolgreich kommuniziert werden kann, wird in der Lage sein, sich der Herausforderung einer neuen Evangelisierung zu stellen. Eine authentisch gelebte Frohe Botschaft und ein Leben nach menschlichen Werten wie Recht, Gerechtigkeit und Mitgefühl sind das authentischste Zeugnis der Frohen Botschaft, welches Menschen zu Christus ›hinführen‹ wird (Evangelii gaudium 15).

Die evangelisierten Gemeinschaften bieten anderen Menschen etwas Besonderes. Sie verbreiten eine Botschaft der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie sind die modernen »Hauskirchen« und ihre Anführer sind die wahren »Botschafter der christlichen Hoffnung« und agieren als missionarische »Botschafter Christi«. Eine Einladung »vorbeizukommen und sich einen ersten Eindruck zu verschaffen« (Joh 1,46; 4,29) kann der Startpunkt eines Wandlungsprozesses sein, wenn diese Einladung von Menschen ausgesprochen wird, die sich bereits von Jesus haben verwandeln lassen. Denn darum geht es bei der Verkündigung der Frohen Botschaft: andere zu einem intimen Erlebnis mit Jesus einzuladen, welches man selbst bereits erlebt hat.

FOTO: PRIVAT/MISSIO
»Socio-Pastoral Formation Centre in Myitkyina«, Myanmar: Das St. Luke’s College in Myitkyina bildet junge Menschen zu Katechetinnen und Katecheten im Norden Myanmars aus. Zunehmend übernehmen hier Laien Führungspositionen in den entlegenen Gemeinden, in die die Priester nurselten reisen können.
FOTO: PRIVAT/MISSIO
Im November 2019 wird das achte Treffen des Netzwerks Pastoral Asien durch das »Mission Pastoral Institute in Johor« (Malaysia) organisiert. Dabei werden die Herausforderungen des Zusammenlebens verschiedener religiöser Minderheiten in Malaysia erörtert und inwiefern dieseeinen gemeinsamen Beitrag zur Überwindung sozialer, ökologischer und spiritueller Krisen leisten können.
FOTO: MARITA WAGNER/MISSIO
Am »Capuchin-Franciscan Research and Retreat Centre« in Addis Abeba (Äthiopien) werden die alten mündlichen Traditionen und Kulturen Äthiopiens studiert. Unter dem Leiter des Instituts, Bruder Daniel Assefa, wurde die Bibel in die Sprache Amharik übersetzt. Kürzlich hat das Institutauch eine Konkordanz zur Bibel auf Geez herausgegeben. Beides sind äthiopische Sprachen.
FOTO: PRIVAT/MISSIO
Das sambische Pastoralinstitut FENZA (Lusaka) wurde 2007 von den Weißen Vätern im Licht der ersten Afrikasynode gegründet. Die Arbeit des Instituts beschäftigt sich mit traditionellen sambischen Kulturen sowie neuen religiösen Strömungen. Dazu zählen auch der zunehmende Einfluss von »Witchcraft« (Zauberkunst), Exorzismen und Satanismus auf die religiöse Glaubenspraxis.

Info

Auch heute gibt es, angeregt durch die Mission der frühen Kirche, in allen Teilen der weltweiten Kirche inspirierende Ideen, den Glauben zu leben und weiterzugeben. Darin sind insbesondere auch viele Laien involviert. An Pastoralinstituten finden sie Orte der Aus- und Weiterbildung, die Impulse für die Entwicklung der Kirchen in Afrika, Asien und Lateinamerika geben. In der Bilderreihe zum Beitrag stellen wir Ihnen vier inspirierende Pastoralinstitute aus Afrika und Asien vor.