Länderbericht: Senegal

Der Beitrag der Kirche zum Bildungswesen

 

Senegal: Friedliches Miteinander verschiedener Kulturen

von Anne Béatrice Faye

Der Senegal gilt als Musterland für Demokratie in Afrika. Auch das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen, das auf traditionellen Werten fußt, gelingt gut. Islamistische Einflüsse nehmen jedoch zu. Große Herausforderungen gibt es auch im Bildungssystem, die Einschulungsquote ist mit knapp 59 Prozent niedrig. Eine wichtige Bedeutung im Bildungssektor spielen katholische Schulen, die allen offenstehen und einen besonderen Fokus auf Umwelterziehung und die Förderung von Mädchen legen.

Autorin

Anne Béatrice Faye

Dr. phil., ist Ordensschwester der Kongregation Soeurs de Notre Dame de l’Immaculée Conception de Castres. Sie lehrt als Professorin für analytische Philosophie und Philosophie des Orients am Consortium de Philosophie Inter-Instituts – Centre St. Augustin in Dakar, Senegal. In ihren wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt sie sich unter anderem mit dem philosophischen Beitrag zur Gender-Perspektive sowie dem Beitrag von Frauen in der Kirche und Mission

 

Geografie, Gesellschaft und Politik

Senegal liegt im äußersten Westen des afrikanischen Kontinents und hat eine Fläche von 196.712 km2. Die Hauptstadt ist Dakar, weitere bedeutende Städte sind Thiès, Kaolack, Ziguinchor und Saint-Louis. Als ehemalige französische Kolonie wurde Senegal vor 59 Jahren unabhängig, Macky Sall ist der vierte Staatspräsident und seit dem 2. April 2012 im Amt. Die meistgesprochene Sprache ist Wolof, die Amtssprache ist weiterhin Französisch. Weitere wichtige Sprachen sind Diola, Pulaar, Serer und Soninke. Das Klima ist geprägt durch trockene und tropische Luftmassen mit einem Wechsel zwischen Trocken- und Regenzeit.

Schätzungen der Agence Nationale de la Statistique et de la Démographie (ANSD 2018) zufolge zählt die Bevölkerung Senegals 15.726.037 Einwohner, davon sind 50,2 Prozent Frauen und 49,8 Prozent Männer. Das jährliche Bevölkerungswachstum beläuft sich auf 3,07 Prozent. Die Bevölkerungsdichte beträgt 82,40 Einwohner pro km2. Mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren ist die Bevölkerung sehr jung. Der Bedarf an Angeboten in den Bereichen Bildung, Ausbildung, Beschäftigung und Integration in den Entwicklungsprozess ist daher groß.

Senegal ist ein armes Land, 53,3 Prozent der Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten, 46,7 Prozent in städtischen Räumen. Die Bevölkerungsdichte in den einzelnen regionalen Verwaltungseinheiten ist sehr unterschiedlich. So leben in der Region Dakar, die 0,3 Prozent der Landesfläche einnimmt, 23,1 Prozent der Bevölkerung Senegals, die Bevölkerungsdichte beträgt hier 6.637 Einwohner pro km2. In der am wenigsten dicht besiedelten Region Kédougou leben 1,1 Prozent der Bevölkerung, was einer Bevölkerungsdichte von 11 Einwohnern pro km2 entspricht.

Die Probleme rund um die Themen Beschäftigung, Lebenshaltungskosten, Qualität der öffentlichen Dienstleistungen, Stromversorgung und Stromkosten sowie Trinkwasserversorgung sind weiterhin die größten Sorgen der Senegalesen. Die Regierung will daher den Landwirtschaftssektor stärken, die Reisproduktion steigern und den Gemüseanbau intensivieren, damit der Inlandsbedarf gedeckt werden kann.

Wie in vielen afrikanischen Ländern bestehen Wechselbeziehungen zwischen Bevölkerungsentwicklung, wirtschaftlicher Entwicklung und Umwelt. Armut und schwierige Lebensbedingungen sind der Grund für die steigende Zahl junger Menschen, die bei der illegalen Auswanderung ihr Leben riskieren. Was sie trotz der Probleme, Gefahren und Schwierigkeiten antreibt, sind Vertrauen und Hoffnung. Mit jeder Faser ihres Daseins kämpfen sie um ihre Würde. Sie fliehen, um ihre Zukunft zu sichern und ihre Familien zu schützen. Sie tragen in ihren Herzen den Wunsch nach einer besseren Zukunft, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Angehörigen.

Im Bewusstsein dessen setzt der Staat für die zukünftige Entwicklung auf die Jugend und ihre Kompetenzen. Genau hierum geht es in dem Entwicklungsplan von Staatschef Macky Sall für einen aufsteigenden Senegal bis 2035 mit einer solidarischen Gesellschaft und einem funktionierenden Rechtsstaat. Senegal steht noch am Scheideweg im Hinblick auf die Ausschöpfung seines Potenzials, den Aufschwung seiner Wirtschaft und eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung.

Sicher muss man zugeben, dass es in den vergangenen Jahrzehnten ein stabiles Wirtschaftswachstum im Senegal gab, das zu einer Reihe von Verbesserungen führte, insbesondere was die Lebensbedingungen der Bevölkerung anbelangt. Überall im Land, vor allem aber in der Metropolregion Dakar, wurde die Infrastruktur ausgebaut. Das Land ist weiterhin ein Musterbeispiel der Demokratie in Afrika.

Dennoch bringt die instabile Lage im Sahel und in der Sahara eine zunehmende Terrorgefahr für den Senegal mit sich, wo man sich dieser Gefahr bewusst ist und die Sicherheitskapazitäten verstärkt. Zudem findet seit 2014 das jährliche Dakar Forum für Frieden und Sicherheit in Afrika statt. Senegal unterhält rege diplomatische Beziehungen in ganz Afrika. Das Land hat derzeit den Vorsitz des Lenkungsausschusses der Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (NEPAD) inne. Außerdem ist es nichtständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats und des UNESCO-Exekutivrats. Senegal leistet einen großen Beitrag zu den friedenssichernden Maßnahmen der Vereinten Nationen, insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo, in Mali, in der Zentralafrikanischen Republik, in Darfur, Haiti und Südsudan.

 

Religiöse Vielfalt

Wer vom Senegal spricht, darf das harmonische Zusammenleben von Christen und Muslimen nicht unerwähnt lassen. Die Bevölkerung besteht zu 95 Prozent aus Muslimen und zu fünf Prozent aus Christen und Anhängern traditioneller Religionen. Senegal ist ein säkularer Staat, in der Verfassung sind die Trennung von Kirche und Staat, die gleiche Würde aller Religionen und die freie Religionsausübung durch deren Anhänger in gegenseitigem Respekt verankert. Die friedliche Koexistenz mehrerer Religionen, der Brauch der »Spottbeziehungen«, verschiedene Solidaritätsmaßnahmen im Alltag und anlässlich großer Feierlichkeiten können als Ausdruck eines – in den Worten des Dichters und ersten Präsidenten der Republik Senegal Léopold Sédar Senghor – »gemeinsamen Willens zum Zusammenleben « betrachtet werden. Diesem Willen verdankt es sich, dass durch die Vermischung der Religionsgemeinschaften ein friedliches Miteinander der verschiedenen Kulturen im Land entstehen und der soziale Zusammenhalt aufrechterhalten werden konnte. Die Tatsache, dass Geschwister verschiedenen Religionsgemeinschaften angehören, ohne dass hierdurch die familiären Beziehungen beeinträchtigt würden, bildet das Fundament des sozialen Friedens im Senegal. Das Zusammenleben von Christen, Muslimen und Anhängern traditioneller Religionen verläuft hier so friedlich, wie das in der Subregion selten ist.

 

Rolle der Kirche

Durch ihre Präsenz und ihre Mission trägt die Kirche zweifelsohne zur Annäherung zwischen Christen und Muslimen bei. Sie ist in mehreren Bereichen tätig: Gesundheit, Frauenförderung, Pastoral- und Sozialarbeit, Bewegungen der katholischen Aktion und Bildungsarbeit. In der kirchlichen Sozialarbeit spielt die religiöse Zugehörigkeit keine Rolle. Wer in Not ist, dem wird geholfen, egal ob er Christ, Muslim oder Animist ist. Das ist die tägliche Erfahrung des Glaubenswegs von Christen und Muslimen im Senegal. Im Bildungsbereich besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Staat und der katholischen Kirche. Der Staat wird als ein Partner angesehen, den es zu unterstützen gilt. Dies führt uns zur aktuellen Situation des Bildungswesens im Senegal und der wichtigen Rolle der katholischen Schulen.

 

Bildungspolitik

Die Einschulungsquote im Senegal ist mit 57,67 Prozent weiterhin niedrig. Angesichts einer demografischen Struktur, wo 55 Prozent der Bevölkerung unter 20 Jahre alt sind, besteht die größte Herausforderung für den Senegal darin, ein leistungsstarkes Bildungssystem aufzubauen. Die Zahl der Schüler und Studenten wächst jährlich. Infolge der Liberalisierung des Bildungssystems wurden innerhalb weniger Jahre mehrere Schulen und Universitäten gegründet. Die immer wieder auftretenden Probleme bei Lehrkräften und Schülern zeigen jedoch, dass sich die senegalesische Schule in einer vielschichtigen Krise befindet.

Bei genauerer Betrachtung hat der Senegal nach Erlangung der Unabhängigkeit ein im Ausland entwickeltes Bildungssystem übernommen. Das Zusammenspiel von Familie und Schule in Bildungsbelangen gelingt nur unzureichend. Die Familie hat der Schule eine Aufgabe übertragen, die deren Kompetenzen übersteigt. Dies hat zur Folge, dass die überlieferten Werte der traditionellen Gesellschaft nicht angemessen weitergegeben werden. Die mangelnde Weitergabe der Werte und die unzureichende Werteerziehung bewirken ein Nachlassen der Bindekräfte der traditionellen Gesellschaft.

Hinzu kommen Infrastrukturprobleme, wie die Existenz von Tausenden von provisorischen Klassenräumen überall im Land zeigt. Um das Ziel zu erreichen, allen den Besuch einer Schule zu ermöglichen, einer funktionstüchtigen, beständigen und friedlichen Schule, muss ein umfassendes Programm für den Bau von Klassenräumen und die Einstellung von Lehrkräften ausgearbeitet und für eine hochwertige Ausbildung der Lehrkräfte gesorgt werden. Der Staat setzt bei dem Versuch, die Analphabetenrate zu senken, in hohem Maß auf nonformale alternative Bildungsmodule und die Förderung der nationalen Sprachen. Er gibt hierfür 40 Prozent seines Haushalts aus.

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Foto: KNA
Nicht nur im Alltag leben Christen und Muslime selbstverständlich zusammen. Auch ihre Toten beerdigen sie an einem Ort. Hier der christlich-muslimische Friedhof auf der Insel Fadiouth.
Foto: KNA
Das gute Miteinander von Christen und Muslimen sind kennzeichnend für die Kultur Senegals. Ehen mit einem christlichen und einem muslimischen Partner sind zwar auch im Senegal nicht einfach - aber durchaus möglich. Besuch bei einer christlich-muslimischen Familie in Kaolack.Seit 22 Jahren sind Muslimin Senabou Diouf und ihr Mann Alain Sene, Christ, verheiratet.

Senegal auf einen Blick

Fläche: 196.712 km2

Bevölkerung: 15,7 Millionen (2018)

Hauptstadt: Dakar

Staatsform: Präsidentielle Demokratie

Religionen: 95 % Muslime, 5 % Christen und Anhänger traditioneller Religionen

Offizielle Landessprache: Französisch; die meistgesprochene Sprache ist Wolof

Wirtschaft: wichtigste Zweige sind Fischerei- und Landwirtschaft, Tourismus und Bausektor

Quelle: Auswärtiges Amt; ANSD; The World Factbook

J. Weitzel
Senegal auf einen Blick