Hongkong

 

Kardinal kritisiert Sicherheitsgesetz scharf

»Wir müssen nach unserem Gewissen handeln«

Hongkongs Kardinal Joseph Zen Zekiun hat Chinas neues Sicherheitsgesetz für Hongkong scharf verurteilt. Auf dieser Grundlage könnten die Behörden alles machen. Seit Chinas Volkskongress das Gesetz, das angeblich Ordnung in der chinesischen Sonderverwaltungszone wiederherstellen soll, Ende Juni erlassen hat, regiert das kommunistische Regime in Hongkong mit. Eigentlich war der britischen Kolonie 1997 bei der Rückgabe an China für 50 Jahre Autonomie zugesagt worden. Das ist nun Geschichte. China könne nun die Kommunikation kontrollieren, Häuser ohne richterlichen Beschluss durchsuchen, Menschen ohne den Beistand eines Rechtsanwaltes verhaften, sie in ein Gefängnis in China bringen und dort vor Gericht stellen, sagte Zekiun in einem Interview mit der Tagespost. Sichtbares Zeichen, dass Chinas Sicherheitsapparat künftig von Hongkonger Boden aus agiert, ist das Büro zur Wahrung der nationalen Sicherheit, das kurz nach Inkrafttreten des umstrittenen Gesetzes eingeweiht wurde. Zur Situation derjenigen, die in Hongkong für Menschenrechte eintreten, sagte der Kardinal: »Wir müssen nach unserem Gewissen reden und handeln.«

Er habe den Eindruck, dass die internationale Gemeinschaft allmählich aufwache und erkenne, wie bösartig die Kommunistische Partei Chinas sei. Ze-kiun kritisierte erneut die China-Politik des Vatikans, der vor zwei Jahren ein vorläufiges Abkommen mit Peking unterzeichnet hatte. Dieses geheime Abkommen sollte zuallererst einmal veröffentlich werden, sagte er. Noch schlimmer seien jedoch die pastoralen Leitlinien des Heiligen Stuhls für die staatliche Registrierung des Klerus in China vom 28. Juni 2019. Sie forderten die romtreue Untergrundkirche dazu auf, der regimefreundlichen Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung beizutreten. »Das ist eine schismatische Kirche!«, empört sich Ze-kiun. »Es ist einfach unglaublich.«

FOTO: KNA-BILD
Während einer Gebetsandacht im Victoria Park in Hongkong mit Kardinal Joseph Zen Ze-kiun (Mitte) beteten die Gläubigen für Demokratie und Freiheit bei den Demonstrationen im August 2019.