Moderne Sklaverei

»Sklaven müssen sein, sonst wäre der Zucker zu teuer«

 

Versklavung und strukturelle Ausbeutung gestern und heute

von Serge Palasie

Das Zitat aus der Überschrift stammt vom französischen Staatstheoretiker Montesquieu. Im 18. Jahrhundert besaß Frankreich mit Saint Domingue, dem heutigen Haiti, die lukrativste Kolonie überhaupt. Die Quelle des Reichtums: Zucker, angebaut von versklavten Afrikanerinnen und Afrikanern und ihren Nachfahren. Die Zeit, in der Sklaverei Schwarz¹ wurde, prägt bis heute das Bild, das viele Menschen im Kopf haben, wenn sie das Wort »Sklave« hören.

 

Autor

Serge Palasie

ist Afrikanist und arbeitet als Fachpromotor für Flucht, Migration und Entwicklung beim Eine Welt Netz NRW. Er befasst sich mit der transatlantischen Umverteilungsgeschichte und ihren globalen Folgen. Im Rahmen seines aktuellen Projekts »Sichert(e) sich auch unser Land einen Platz an der Sonne? Der lange Schatten der deutschen Kolonialzeit« setzt er sich für eine Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Deutschland ein.

Es gab wohl keine von der ideologischen Konzeption und den Dimensionen her gesehen menschenverachtendere Versklavungsökonomie als diese transatlantische Variante, die den Westen letztlich überhaupt erst schuf. Und bis heute generieren Versklavung und andere Formen struktureller Ausbeutung immense Gewinne – weltweit. Je nach Definition von »moderner« Sklaverei sind heute 20–50 Millionen Menschen betroffen. Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Die Grenzen zwischen struktureller Ausbeutung, die weitaus mehr Menschen betrifft, und »moderner« Sklaverei sind fließend. Gibt es realistische Handlungsoptionen, um das Phänomen wirksam zu bekämpfen?

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GRAFIK: SERGE PALASIE
Der transatlantische Versklavungshandel vereinfacht dargestellt. Er wird auch als Dreieckshandelbezeichnet und stellt eine wesentliche Grundlage der Entstehung eines atlantischen Wirtschaftsraumsdar.

Anmerkungen

¹ Bezogen auf die Hautfarbe ist »Schwarz« ein ideologisches Konstrukt und wird daher großgeschrieben, während »weiß« klein und kursiv geschrieben wird.(Hierarchisierende) Hautfarbenkategorien sind Erbe des transatlantischen Versklavungshandels und des Kolonialismus. Die zunächst ausschließlich negativ verwendete Fremdzuschreibung »Schwarz« entwickelte sich spätestens mit den Bürgerrechtsbewegungen der 1960er-Jahre in den USA zu einer empowernden Selbstbezeichnung.

² »Entwicklung« ist ein problematisches Konzept. Der Fokus liegt oft allein auf wirtschaftlichem Wachstum. Negative soziale und ökologische Folgen des ökonomischen Handelns werden regelmäßig heruntergespielt und ausgeblendet.

³ Dies bedeutet, dass äußerliche Merkmale nicht die entscheidende Kategorie für eine Versklavung darstellten. Das darf nicht mit einer allgemeinen »Farbenblindheit« verwechselt werden. Diese gab es nie.