Forum Weltkirche - Zeitschrift für Kirche und Gesellschaft mit weltweitem Blick

Moderne Sklaverei

Der lange Kampf gegen sexuelle Ausbeutung

 

Wurzeln und Praxis der modernen Sklaverei auf den Philippinen

von Shay Cullen
- übersetzt von Robert Bryce

Die Zeiten, in denen Sklaverei gang und gäbe war, in denen Menschen auf Märkten in der ganzen Welt wie Vieh gehandelt wurden, sind vorbei. In ihrer modernen Form existiert die Sklaverei jedoch nach wie vor. Die anhaltende Apathie der Behörden mancher Länder lässt es zu, dass Frauen und Kinder im Sexgewerbe noch immer ausgebeutet werden.

 

Autor

Shay Cullen

ist ein irischer Pater der Missionsgesellschaft von St. Columban. 1969 wurde er als Missionar auf die Philippinen entsandt. Dort gründete er 1974 zusammen mit anderen die Stiftung PREDA, um Folter- und Missbrauchsopfern des Marcos-Regimes und der Militärbasis zu helfen.

Mein erstes schockierendes Erlebnis auf den Philippinen hatte ich kurz nach meiner Entsendung als junger Missionar nach Olongapo City an der Küste der Subic-Bucht. Ich war unterwegs, um mir die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen und ging eine neonbeleuchtete Straße mit Sex-Bars und Nachtclubs entlang; dort wimmelte es von US-Matrosen und -Marinesoldaten der nahegelegenen Marinebasis, denen Verkäufer vom T-Shirt bis zur Holzschnitzerei alles Mögliche anboten. In der Nähe eines unbebauten Grundstücks sprach mich dann ein Mann an: »Hallo Joe! Willst du ein junges Mädchen?« Dieses unvermittelte, direkte und unverhohlene Angebot, das so dreist war, weil das Feilbieten junger Mädchen für Sex anscheinend normal war, bestürzte mich tief. Es gab, wie ich später herausfand, einen boomenden Handel mit Mädchen, und Kindesmissbrauch war in dieser Stadt gängige Praxis. Ich reagierte schockiert und entgegnete laut: »Nein, kein Interesse. « Ungerührt machte er weiter: »Hey, Joe! Ich habe sie direkt hier, nur für dich, 50 Dollar die Nacht. Für 100 US-Dollar kannst du beide haben.« Dabei zeigte er auf zwei Kinder, die in einer Toreinfahrt kauerten. Es war ein Schock für mich zu sehen, dass Kinder, die dem Anschein nach gerade einmal zwölf oder 13 Jahre alt waren, auf der Straße offen für Sex angeboten wurden. Ich entgegnete ihm wütend: »Das ist kriminell. Sie tun den Kindern Schreckliches an und verstoßen gegen das Gesetz, ich werde die Polizei rufen.« Er lachte nur, denn er kannte sein

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FOTO: SHAY CULLEN
Die an der Bucht von Olongapo City stationierten US-Marinesoldaten waren Nutznießer und Förderer von Prostitution und Sexhandel und hielten diese somit aufrecht.