Von Josef Estermann
Die meisten ehemaligen Kolonialstaaten erlangten im 20. Jahrhundert ihre formal-politische Unabhängigkeit. Die anhaltenden globalhegemonialen Strukturen, die die heutige Weltgesellschaft weiterhin normieren, weisen allerdings darauf hin, dass eine faktische Dekolonisation noch immer aussteht. Daraus ergibt sich – auch für die Theologie – die Aufgabe, sich mit dem eigenen kolonialen Erbe und dessen Konsequenzen für das zwischenmenschliche Zusammenleben (selbst-)kritisch auseinanderzusetzen. Hierbei können postkoloniale und dekoloniale Theologien wichtige Orientierungspunkte bieten.
Josef Estermann
ist Philosoph und Theologe. Er war 17 Jahre lang als Laienmissionar, Dozent und Forscher in Peru und Bolivien tätig. Derzeit ist er bei der Schweizer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit Comundo für Grundlagen und Forschung zuständig. Außerdem ist Estermann Lehrbeauftragter an der theologischen Fakultät der Universität 14 Luzern.