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Irak

Erzbischof Warda ruft zum Schutz von Minderheiten auf

„Christen im Irak sind bis heute Bürger zweiter Klasse"

Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, Bashar Warda, hat den Westen aufgefordert, auf eine Gleichberechtigung religiöser Minderheiten im Irak und in anderen islamischen Ländern zu drängen. Der Bischof beklagt, dass die Christ/-innen im Irak bis heute als Bürger/-innen zweiter Klasse behandelt würden. „Es gibt immer noch extremistische Gruppen, die immer größer werden, und die behaupten, das Töten von Christen und Jesiden trage zur Verbreitung des Islam bei." 1.400 Jahre Herrschaft des Islam seien letztlich auch 1.400 Jahre der Unterdrückung, auch wenn es gewisse Zeiten der Toleranz gegeben habe, sagt Warda. Mit der militärischen Niederlage des IS sei die Idee einer Wiederherstellung des Kalifats nicht untergegangen. Insofern sei auch die nächste Welle der Gewalt nur eine Frage der Zeit. Die Zukunftsperspektive für die Christ/-innen im Irak sieht der Erzbischof eher düster. Er erinnert daran, dass es bis 2003 im Irak bis zu eineinhalb Millionen Christ/-innen gab, heute seien nur noch 250.000 Christ/-innen übrig, vielleicht sogar noch weniger. Unterdessen berichtete Vatikan News, dass in der irakischen Stadt Karakosch eine Kirche wiedereröffnet und eingeweiht wurde. Die Kirche Sankt Benjamin und Klara wurde im Sommer 2014 vom IS zerstört, als Milizen der Terrororganisation die mehrheitlich von Christ/-innen bewohnte Stadt erobert und alle Nicht-Muslime vertrieben hatten. Mittlerweile haben sich etwa 800 christliche Familien wieder in Karakosch niedergelassen. Der Pfarrer der Gemeinde, George Jahola, sagt: „Seit der Vertreibung haben wir nie aufgehört, uns vorzustellen, wie schön unsere Kirche sein kann, wenn sie wieder hergestellt ist." Mit den Plänen zum Wiederaufbau habe man schon kurz nach der Vertreibung begonnen. Finanziert worden sei der Wiederaufbau des Gotteshauses vor allem von christlichen Organisationen. missio beteiligt sich derzeit an der Renovierung einer Kirche in Karakoschs Nachbarort Bartella.

Foto: KNA-Bild
Im April 2017 lag die vom IS zerstörte Kirche Sankt Benjamin und Klara noch in Trümmern. Jetzt können Christen in Karakosch wieder Gottesdienst in ihr feiern.